Von: Redaktion Sport & Analyse

Der deutsche Frauenfußball muss einen herben Rückschlag hinnehmen: Nationalspielerin Giulia Gwinn hat sich erneut schwer verletzt. Die Außenverteidigerin des FC Bayern München, eine der tragenden Säulen der deutschen Nationalmannschaft, fällt damit auf unbestimmte Zeit aus. Die Nachricht kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt – kurz vor der entscheidenden Phase der EM-Vorbereitung.

Was ist passiert?

Laut offizieller Mitteilung des DFB zog sich Gwinn im Training einen Teilriss des Kreuzbands im rechten Knie zu – die gleiche Stelle, an der sie bereits 2020 einen Kreuzbandriss erlitt. Die Verletzung ereignete sich während einer intensiven Trainingseinheit in Frankfurt, als sie nach einem Zweikampf unglücklich zu Boden ging.

Die medizinischen Untersuchungen bestätigten schnell die bittere Diagnose. Laut Teamarzt Dr. Andreas Schlumberger ist “eine Rückkehr ins Mannschaftstraining frühestens im Spätherbst realistisch”.

Sportliche Bedeutung für die DFB-Auswahl

Der Ausfall Gwinns wiegt schwer. Seit ihrem Debüt im Nationaltrikot 2017 hat sich die heute 25-Jährige zu einer unverzichtbaren Stammspielerin entwickelt. Ihre Dynamik auf der rechten Außenbahn, ihr taktisches Verständnis und ihre Führungsqualitäten machten sie zu einer festen Größe im System von Bundestrainer Horst Hrubesch.

In den letzten beiden Jahren war sie nicht nur defensiv stabil, sondern auch offensiv enorm präsent: Drei Tore und sechs Vorlagen in den letzten 12 Länderspielen sprechen für sich. Ihre Abwesenheit reißt eine Lücke, die sportlich wie mental schwer zu schließen ist.

Mögliche Alternativen und Systemfragen

Mit dem Ausfall der Münchnerin muss Hrubesch sein taktisches Konzept überdenken. Als mögliche Nachrückerinnen gelten Maximiliane Rall (Bayern), Sara Doorsoun (Eintracht Frankfurt) oder die junge Tuva Hansen (Wolfsburg). Doch keine von ihnen vereint auf Anhieb die gleiche Kombination aus Erfahrung, Schnelligkeit und Spielintelligenz.

Zudem stellt sich die Frage, ob das Trainerteam auf ein 3-5-2-System umstellen könnte, um den Flügel kompensatorisch anders zu besetzen und mehr defensive Stabilität zu gewinnen.

Psychologischer Rückschlag für das Team

Neben dem sportlichen Verlust trifft die Mannschaft auch der emotionale Aspekt: Gwinn gilt als beliebte Persönlichkeit im Teamgefüge, als Motivatorin und Führungsspielerin. Der Umgang mit dieser Situation wird auch ein Test für den Teamspirit der DFB-Frauen, die nach dem enttäuschenden WM-Aus 2023 viel auf Wiedergutmachung setzen.

Rückkehr ungewiss – aber Hoffnung bleibt

Ob Giulia Gwinn zur EM-Endrunde 2025 rechtzeitig fit wird, ist offen. Ihre Reha wird voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Doch sowohl Verein als auch Nationalmannschaft äußerten öffentlich ihre volle Unterstützung. In einem kurzen Statement schrieb Gwinn auf Instagram:

„Ich habe das schon einmal überstanden – ich werde auch dieses Mal stärker zurückkommen.“

Fazit

Die Verletzung von Giulia Gwinn ist ein herber Schlag für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft. Sportlich bringt sie eine massive Umstellung mit sich, emotional stellt sie die Mannschaft auf eine Bewährungsprobe. Umso wichtiger wird es sein, als Kollektiv zu reagieren – und vielleicht in der Krise auch neue Führungspersönlichkeiten zu entdecken.

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